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Bye Vienna, man sieht sich immer zweimal im Leben

Bye Vienna, man sieht sich immer zweimal im Leben

Bye Vienna, man sieht sich immer zweimal im Leben

Es ist so einfach sich in eine Stadt zu verlieben. Einfacher als in einen Menschen.

Das weiche Licht der Straßenlaternen umhüllt uns mit einem mütterlichen Schutz. Wir verbringen die meiste Zeit in Cafés und lauschen fremden bei ihren alltäglichen Gesprächen zu. Wir sitzen mit einem Buch auf Parkbänken und genießen die warmen Sonnenstrahlen auf unserer Haut. Wir glauben diese Cafés, diese Parkbänke, diese Menschen und die Sonne sind so anders, als die der anderen Städte. Wir entwickeln ein tiefes Verständnis für das Leben hier. Wir möchten alles aufsaugen, wie Kinder, die gerade Lesen lernen und jedes Straßenschild voller Euphorie entziffern. Wir lieben es zum Supermarkt um die Ecke zu gehen. Wir können es kaum erwarten täglich zehn mal die Stufen zu und von unserer Wohnung zu steigen. Wir sind fasziniert vom U-Bahn-Netz. Wir sind besessen von unserer Umgebung. Fast schon vergiftet von all den Möglichkeiten.

Irgendwann kommt der Moment, wo wir unseren Weg verlieren. Wir wollten doch nur von A nach B und jetzt sind wir bei D und P. Wir haben unsere mentale Karte verlegt. Für mich hätte Wien nur ein Kapitel sein sollen. Kurz studieren und dann weiterziehen. Jetzt sind fast acht Jahre vergangen und ich habe geliebt, gelebt, mehr geliebt, gearbeitet, sehr viel geweint, mein Herz und meinen Weg verloren. Freunde und Familie fürs Leben, ein Zuhause gefunden. Ich bin gewachsen. Erwachsen.

Wie Paare bei denen die Anfangseuphorie abflacht, haben auch wir gestritten. Sind auseinander gedriftet und haben doch immer wieder zusammengefunden. Viele meiner Probleme habe ich ihr an den Kopf geworfen. Feige. Dumm. Oft wollte ich meine Sachen packen und für immer verschwinden. Neu beginnen. Es hat lange gedauert, bis mir klar wurde, dass die Stadt mir nichts Böses will. Sie ist kein Dämon, der hinter jeder Ecke lauert und mir das Leben schwer machen möchte.

Sie ist eher wie der ungeschminkteste Spiegel, der mir alle Mängel, alle Fehler so nah und so groß vorhält. Sie haben mich stark gemacht, zu der Person, die ich heute bin. Ich habe hier geliebt, gelebt, mehr geliebt, gearbeitet, sehr viel geweint, mein Herz und meinen Weg verloren. Freunde und Familie fürs Leben, ein Zuhause gefunden. Ich bin gewachsen. Erwachsen. Aber jetzt heißt es weiterziehen.

Die mentale Karte war immer da. Manchmal blasser, aber selten in Farbe. Jetzt sehe ich sie. Sie sagt: Tschechien. Wow. Wer hätte das gedacht? Ich wollte doch immer nach Berlin? Aber so spielt das Leben. Vielleicht ist der neue Weg das Endziel, vielleicht aber auch nur ein Zwischenstopp. Vielleicht finden wir auch wieder zueinander. So genau, weiß man das auch nie. Was ich weiß, ist, dass Wien immer da sein wird, weil auch ich noch immer halb hier sein werde. So habe ich doch hier geliebt, gelebt und Freunde fürs Leben gefunden.

Ich bin bereit, mich in eine neue Stadt zu verlieben. Mich vom Licht der Straßenlaternen berauschen und umhüllen zu lassen. Zeit in Cafés und lesend auf Parkbänken zu verbringen. Meine Umgebung aufzusaugen, mich in den unendlich neuen Möglichkeiten zu ertränken.

___

Keine Sorge! Ich bin nicht für immer weg! Ich werde nicht weit von Wien wohnen und meinen Arbeitsmittelpunkt noch in der Stadt haben. So fahre ich für unsere wöchentlichen Ladies-Meetings, meinen Job als Freelancerin und andere Termine rein, den Rest der Woche bin ich in Tschechien. Mir ist durchaus bewusst, dass ich das Privileg habe, einen Job machen zu dürfen, der geografisch ungebunden ist und genau dieses Privileg möchte ich jetzt mal für eine paar Monate oder länger ausschöpfen. Klar, ist es eine Herausforderung in ein Land zu ziehen, dessen Sprache – bis auf ” Hallo, wie geht’s?” und “Ich heiße Márcia” – ich nicht nicht spreche und ich spreche wirklich viele Sprachen. Aber ich sehe das als eine positive Herausforderung, die mir hilft mich weiterzuentwickeln, zu wachsen und über mich hinauszuwachsen. Meine Eltern sind damals ja auch in ein Land gezogen dessen Sprache sie nicht konnten und sie haben das auch geschafft!

 

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1 Comment

  • 4 Wochen ago

    Danke dir du bist ein Marcia ❤️