Burned Out
Zurück in die Gegenwart

Burned Out
Zurück in die Gegenwart

Wenn ich abends ins Bett falle, fühle ich mich oft überfordert, ausgebrannt und einfach nur Tod müde. Und ich glaube, ich habe den Grund dafür gefunden.

Beschäftigung ist meine Droge. Ich liebe es, immer etwas zu tun zu haben und davon am besten viel und alles auf einmal. Während ich Wäsche zusammenfalte, läuft nebenbei ein TED Talk, stehe ich am Laufband, schaue ich meine neue Serie und bearbeite ich Fotos, läuft das neue Album von Drake. Gehe ich einkaufen, erklären mir unterschiedliche Damen und Herren die Welt in einer neuen Folge der Podcasts, denen ich folge. In der U-Bahn lerne ich meine Koreanisch Vokabeln und abends, vor dem Schlafengehen lese ich noch schnell ein paar Kapitel meines Buches.

Wer rastet, der rostet – oder?

Dass dieses Verhalten, dieses Bedürfnis nach Reizüberflutung irgendwo nicht gesund ist, weiß ich. Kann es auch gar nicht sein! Vor allem ist es eins nicht: zielführend. Multitasking ist, nach dem Stand der Wissenschaft, ein Mythos, den es nicht gibt. Manche Menschen können schneller zwischen Tätigkeiten hin und her schalten, als andere und das nennen wir heutzutage Multitasking. Dass damit die Qualität der Handlung und die Aufmerksamkeit des Individuums auf der Strecke bleibt, wird oft übergangen.

Quaterlifecrisis oder Hypersensibilität?

Manchmal halte ich mir mein eigenes Tun vor Augen und frage mich, wo dieser innere Zwang eigentlich herkommt. Ist es die Leistungsgesellschaft? Die Quaterlifecrisis? Bin ich hypersensibel? Oder möchte ich, dass all diese Stimmen eigentlich nur die eigene in meinem Hinterkopf verstummen lassen? Vielleicht ein wenig von allem. Ablenkung ist ja gut und wichtig – wir können nicht immer 100% geben. Aber Ablenkung muss ebenso bewusst passieren und eine bewusste Entscheidung sein, wie die vielen anderen kleinen Dinge, die wir uns im Laufe des Tages zugestehen. Nur, wenn eine Pause als das genutzt wird, was sie ist – ein Abschalten des Geistes und ein Ausblenden der ganzen kleinen To Dos, die an einem nagen – kann sie ihr volles Potential entfalten.

Gelernt habe ich das auf die harte Tour. Denn, wenn ich abends ins Bett falle, fühle ich mich oft überfordert, ausgebrannt und einfach nur Tod müde. Von mir selbst, von der Welt, von anderen Menschen. „Wird das jetzt für immer so sein?“, frage ich mich und schon ertappe ich mich dabei, wie ich die schwierigen Fragen, die immer wieder an die Oberfläche drücken, gewaltsam aus meinem Bewusstsein verbanne, indem ich erneut zu meinem Smartphone greife und mich mit Instagram betäube. Doch was, wenn es genau diese Fragen sind, mit denen ich mich momentan beschäftigen soll? Wenn es keine Lösung ist, sie so lange zu verdrängen, bis sie sich in einer anderen Form irgendwann verselbstständigen? Ich denke, es wird Zeit dieses toxische Verhalten endlich zu bekämpfen. Das bedeutet nicht, dass ich nun alle der oben genannten Dinge, die ich wirklich gerne mache (!), aus meinem Leben verbanne. Ich möchte sie nur minimieren und dabei eines wieder entdecken – das Leben im Moment. Ohne Stimme, die mir währenddessen die Welt erklärt. Ohne große Erkenntnisse oder spannende Abenteuer an der Supermarktkasse – ein wieder Entdecken der alltäglichen Rhythmen sozusagen.

 

Was ich ändern möchte

Was ich ändern möchte

Deswegen heißt das Schlüsselwort des Sommers für mich: Entschleunigung. Den Moment zu genießen und zu leben wird meine Priorität und damit starte ich gleich heute. Mit einem Urlaub, den ich schon lange plane und nun endlich erleben darf – ganze zwei Wochen surfen an der Küste Portugals. Jetzt heißt es packen, planen und organisieren – aber erst einmal: eins nach dem anderen.

 

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2 Comments

  • 2 Wochen ago

    Viel Spaß beim entschleunigen:)
    Kommen alle (3) Ladies mit;)?
    LG

    • Alina
      2 Wochen ago

      Ich hoffe! Der Urlaub wird uns allen dreien bestimmt gut tun 🙂