Wieso ich wieder pubertieren muss

Wieso ich wieder pubertieren muss

Mit 25 bin ich in einem komischen Alter.

Auf der einen Seite ist da ein unbekümmertes Leben, das den Höhepunkt in der Schulzeit fand. Ich musste mir um nichts sorgen machen und habe mich unverwundbar gefühlt. Ist dann doch etwas passiert, dann kamen schnell die wachenden Hände der Eltern, die sich heilend sowie schützend über mich ausbreiteten.

Ein bisschen bin ich auch noch dieser Teenager, der seine Grenzen austesten möchte. Der seinen Weg sucht und noch nicht begreift, dass doch eigentlich das ganze Leben eine Suche ist. Der erfahren möchte, wie weit er gehen kann und gar nicht daran denkt, Fehler zu machen, aus denen er einmal lernen wird. Auf der anderen Seite nimmt aber auch die Erwachsene in mir immer größeren Platz ein. Ich meistere mein Leben alleine. Ich führe meinen Alltag und treffe eigene Entscheidungen. Das Geld, das ich nun auch für unlustige Dinge, wie Gebühren, Rechnungen und Steuern ausgebe, verdiene ich mir selbst.

Das Älter-Werden und das Wachsen an neuen Aufgaben finde ich unglaublich schön. Das Leben ist nie langweilig, weil jeder Tag etwas Neues bringt, das mich formt und meine Zukunft bereichert. Aber eben auch die Verantwortung ist da und sie wird immer mehr.

25 ist schon ein komisches Alter.

Mit einem Fuß noch in den von unzähligen Festivals abgeranzten Schuhen und mit dem anderen schon in zumindest adäquaten Tretern fürs Büro. Nach den Gedanken rund um meine berufliche Zunkunft, reihen sich auch schon die um die private. Kinder sind zwar noch in der Ferne, aber dennoch überlege ich mir, in welchem Umfeld ich sie großziehen möchte. Das bedeutet dann eben auch, dass ich schon heute meine Füße in die Hand und in die richtige Richtung setzen muss. Aja und dann kommt da noch die Pension, von der wir wahrscheinlich eh nichts mehr sehen werden. Für die muss ich auch schon heute sorgen. Ja was denn noch?

Ich bin erst 25 und das ist eben ein komisches Alter. Der eine Fuß noch durch endlos scheinende Nächte tanzend, der andere schon an einer Wickelkommode stehend.

Ich finde ja, wir sollten uns wieder ein bisschen zurück entwickeln. Einen kleinen Schritt aus der Zukunft in die Vergangenheit machen. Zumindest gefühlsmäßig. Denke ich beispielsweise an mein Maturajahr, dann kann ich die Freiheit förmlich riechen. Alles schwebt, weil auch alles leicht zu sein schien. Ich ging unbekümmert durch den Tag und ich konnte gar nicht scheitern. Die Zukunft vermochte nichts Schlechtes, sie konnte nur Gutes bringen – denn wir waren gut. Und das sind wir auch heute noch. Wieso fühlt sich das Leben aber doch ein klein wenig anders an? Erdiger, weil ich nun nicht mehr schwebe, sondern mit beiden Füßen im Leben stehe.

Ich möchte wieder ein bisschen pubertieren. Losgelassen und offen gegenüber der Welt sein. Denn ganz ehrlich: was soll passieren? Ich möchte mir nichts Schweres aufhalsen, Dinge lieber wieder ein bisschen leichter auf die Schulter nehmen. Dann fühlt sich die Zukunft bestimmt auch nicht mehr so nahe und groß an.

Den Teenager im Erwachsenen finden – das ist eine schöne Aufgabe. Ich begebe mich auf die Suche!

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2 Comments

  • Lia
    5 Monaten ago

    Ein wirklich schöner Text – vor allem die kleine Pointe am Ende! 🙂
    Lustig, denn ich habe mit meinen 24 Jahren in letzter Zeit genau die gleichen Gedanken.. in diesem Alter kann man irgendwie wirklich alles sein! Schade nur, dass einem diese Großartigkeit viel zu selten Bewusst ist und umso besser, wenn dies – wie hier – angesprochen wird 🙂

    Liebe Grüße von einer Re-Pubertierenden 😄💕

    • the ladies.
      5 Monaten ago

      Hallo liebe Lia,
      vielen Dank für diesen schönen Kommentar. Ich finde es beruhigend, dass nicht nur ich so denke :).
      Ganz liebe Grüße
      Nina